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2. SCHWEIZER DIGITALTAG
25. OKTOBER 2018

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DAS MAGAZIN ZUM 2. SCHWEIZER DIGITALTAG 25. OKTOBER 2018

Dank Daten zu Gold am Lauberhorn
Mirjam Oertli und Marcel W. Perren

Für Skirennfahrer Niels Hintermann (23) gehört die digitale Vermessung zum Sport dazu. Sie dient ihm zur optimalen Ausrichtung seines Trainings.

Nils Hintermann in 3D

Der Laptop gehört für Niels Hintermann ebenso zur Sportausrüstung wie Ski und Stöcke: Hier führt er sein digitales Trainings-Tagebuch. Zwar trägt der Zürcher Skirennfahrer nur beim Ausdauertraining eine Pulsuhr mit Brustgurt. Doch hält er verschiedenste Werte von jeder Trainingseinheit im Kraftraum oder auch im Konditionstraining in Excel fest – von Tempo über gefahrene Kilometer bis zur Pulsfrequenz. Und nicht nur dies, auch Dinge wie die Anzahl Stunden, die er schläft, die empfundene Schlafqualität, Informationen zu seiner Regenerationszeit und seinem allgemeinen Befinden trägt er dort ein.

Einmal pro Woche übermittelt er sämtliche Daten seinem Konditionstrainer. Dieser wertet sie aus und empfiehlt, je nach Gesamtbild, Anpassungen am Training. «Das kann beispielsweise die Einhaltung einer anderen Pulsfrequenz im Ausdauertraining sein», sagt Niels Hintermann, «je nachdem, mit welcher Intensität ich davor trainiert habe und wie sich dies in meiner Leistung gespiegelt hat.»

Überraschung am Lauberhorn: Niels Hintermann fährt im letzten Jahr in der Abfahrt von Platz 23 zuoberst aufs Kombinations-Podest.
Jean-Christophe Bott/Keystone

So prägen die Daten nicht nur das künftige Training. Sie dienen dem Trainer auch als Feedback darüber, wie sich vergangene Einheiten ausgewirkt haben. Eine schlechte Schlafqualität über einen längeren Zeitraum könne zum Beispiel darauf hinweisen, dass man sich im Übertraining befinde respektive in einem Vorstadion dazu. Doch zu verallgemeinern sei das nicht. Vielmehr gehe es um ein stetes Analysieren, Abwägen, Anpassen und wieder Analysieren, so Hintermann.

In der Saisonvorbereitung hält sich Hintermann mindestens einmal in einem absoluten Hightech-Bereich auf – im Ruag-Windkanal in Emmen werden die Rennanzüge auf ihre Winschlüpfrigkeit hin getestet. Der Test läuft auf drei Geschwindigkeits-stufen ab: 80, 100 und 120 km/h. «Gewisse Stoffe funktionieren zwar im Hochgeschwindigkeitsbereich sehr gut, dafür weisen sie bei mittleren Tempi Defizite auf.» Die Hauptaufgabe von Hintermanns Betreuern ist es deshalb, am Computer den besten Mittelwert der Anzüge zu ermitteln.

Benjamin Soland

Grosse Stücke hält der Lauberhorn-Kombi-Sensationssieger 2017 auch auf Videoanalyse-Technologie. Damit lassen sich Fahrten Sequenz für Sequenz und in extremer Genauigkeit analysieren. Auch können zwei Fahrten verglichen werden, indem man sie nebeneinander abspielt. «So sieht man exakt, wo und weshalb diese oder jene Zehntelsekunde verloren ging, und kann sehr gezielt an der eigenen Technik arbeiten.» Wohl kaum ein Verband mehr weltweit, glaubt Hintermann, arbeite ohne solche digitalen Hilfsmittel.

Für den noch jungen Skirennfahrer ist die digitale Vermessung in seinem Sport Normalität. Er bemüht sich auch nicht etwa der Daten wegen um einen disziplinierten Lebensstil. «Ich gehe automatisch etwa um 22 Uhr schlafen und stehe wieder zwischen 6 und 7 Uhr auf.» Doch auch wenn das einmal nicht der Fall sei: «Es gibt keine guten oder schlechten Daten, es gibt einfach nur Daten», so der 23-Jährige.

Zwar dürfe man beim Blick auf Tabellen und Bildschirme nicht vergessen, auf den eigenen Körper zu hören. «Doch die heutigen Möglichkeiten unterstützen mich dabei, das Optimum in Sachen Leistung für mich herauszuholen.»

Jean-Christophe Bott/Keystone