DAS MAGAZIN ZUM
2. SCHWEIZER DIGITALTAG
25. OKTOBER 2018

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DAS MAGAZIN ZUM 2. SCHWEIZER DIGITALTAG 25. OKTOBER 2018

Die Schweiz hat Block
Adrian Meyer

Blockchain hält Einzug in den Alltag. Auch die Schweizer Startup-Szene will die Technologie auf unterschiedlichste Weise nutzen. Sechs Beispiele.

Gebrauchtwagen

Die Schweizer Firma AdNovum entwickelt zusammen mit der Universität Zürich, der Hochschule Luzern, dem Autoimporteur Amag, der Axa-Versicherung, dem Aargauer Strassenverkehrsamt und dem Carsharing-Anbieter Mobility ein sogenanntes Car-Dossier für Gebrauchtwagen: eine Art Lebenslauf eines Autos samt Daten über Unfälle, gefahrene Kilometer und jeden Service. Alle diese Daten werden laufend auf einer Blockchain gespeichert. Die Teilnehmer dieser Blockchain zeichnen gemeinsam mit ihren spezifischen Daten die Geschichte eines Fahrzeugs auf. Diese Daten sind dezentral gespeichert, indem jeder Teilnehmer eine exakte, stets synchronisierte Fassung der Blockchain besitzt. Da die Datensätze damit für alle identisch sind, spricht man vom «Single Point of Truth». Weil es sich um personalisierte Daten handelt, muss deren Abfrage vom Urheber erlaubt werden (Permissioned Blockchain). So sollen Gaunereien bei Occasions-Autos unmöglich werden. Mit dieser Basis-Funktionalität wird das Car-Dossier 2020 aufgeschaltet. Weitere Anwendungen sind in Planung. www.cardossier.ch

Single Point of Truth

Jeder Teilnehmer besitzt eine stets synchronisierte Fassung des Car-Dossiers. Damit wird ein allgemeingültiger Datenzustand geschaffen. In der Fachsprache nennt man das «Single Point of Truth» – die einzige Quelle der Wahrheit.

Autobauer

• Typ und Ausstattung
• Herstellungsdatum
• Werk

Autohändler

• Importdatum
• Verkaufsdatum
• Listenpreis

Strassenverkehrsamt

• eingelöste Nummer
• letzte Fahrzeugkontrolle

Autohalter

• Daten des Bordcomputers werden regelmässig ausgelesen
• Fahrzeugausweis

Versicherer

• Versicherungsnachweis
• Versicherungspolicen
• Schadensfälle

Garage

• Reparaturen
• jeder Service
• Modifikationen

Occasions-Plattform

• gefahrene km
• Schadensfälle
• jeder Service

Direkte Auskunft

Mit der App einer Occasions-Plattform können ausgewählte Daten aus dem Car-Dossier via QR-Code abgerufen werden.

Visionen weiterer Anwendungen:

  • Sofort Probe fahren
    Für eine Probefahrt würde der Versicherungsnachweis des Interessenten um­gehend über die Blockchain abgefragt.
    Im Falle einer Freigabe könnte das Auto mittels App aufgeschlossen werden.
  • Smart Contracts
    Beim Besitzerwechsel eines Fahrzeugs wird dank der konvergenten Daten der Blockchain das Kaufen, Einlösen und die Anpassung des Versicherungseintrags voll automatisiert erledigt.

So funktioniert das sogenannte Car-Dossier für Gebrauchtwagen. (Infografik von Mathias Bader)

Überwachte Medikamente

Das Zürcher Startup Modum entwickelt Sensoren, die die Temperatur bei Medikamententransporten laufend überwachen und die Daten auf einer Blockchain speichern. Denn wegen der strengen Regulierungsvorgaben in der EU und der Schweiz ist eine lückenlose Dokumentation der Temperatur beim Transport notwendig. Um dies sicherzustellen, werden derzeit noch viele Medikamente gekühlt, obwohl dies nicht zwingend nötig wäre – was die Transportkosten unnötig erhöht. Die Schweizer Post ist mit Modum bereits eine Partnerschaft eingegangen.

modum.io

Intelligente Container

Die Schweizer Smart Containers Group arbeitet am ersten vollständig autonomen Kühl-Container für den Medikamententransport – basierend auf der Blockchain-Technologie. Die Container sind wiederverwendbar, und wissen selber, wann ein Liefervertrag endet, und an wen sie die Rechnung schicken müssen. So will die Firma die Menge an Frachtdokumenten eliminieren. Die Fluggesellschaft Emirates ist bereits an Bord.

smartcontainers.ch

E-Voting

Die Stadt Zug testete Mitte Juni erstmals eine Abstimmung per Smartphone – über eine App, die auf Blockchain basiert. Teilnehmen konnten Zuger mit einer digitalen ID, die ebenfalls seit einigen Monaten in der Stadt Zug getestet wird. Abgestimmt wurde über die Frage, ob das Feuerwerk am Zuger Seefest eine gute Sache sei.

KEYSTONE/Alexandra Wey

Digitale Identitätskarte

Blockchainbasierte, digitale IDs entwickelt das Zürcher Startup Procivis. Der Kanton Schaffhausen führt die sogenannte «eID+» als erster regulär ein. Einwohner können mit ihrem Smartphone eine elektronische Identität einrichten. Mit der App können sie auf Behördendienstleistungen zugreifen und Dokumente abspeichern.

Procivis

Kontrolle über Spenden

Die Naturschutzorganisation WWF Schweiz will mit dem Zuger Blockchain-Startup Proxeus das Nachverfolgen von Spenden vereinfachen. Damit sollen Spender überprüfen können, ob ihr Geld auch wirklich am gewünschten Ort eingesetzt wird. So könnten auch beispielsweise Mikrospenden effizient und zielgerichtet eingesetzt werden, die sich derzeit wegen der hohen Transaktionskosten noch nicht lohnen.