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2. SCHWEIZER DIGITALTAG
25. OKTOBER 2018

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DAS MAGAZIN ZUM 2. SCHWEIZER DIGITALTAG 25. OKTOBER 2018

Roboter Thymio soll Schule machen
Iris Kuhn-Spogat

Der Alltag ist hochdigital. Schule und Kindergarten sind es nicht. Roboter Thymio soll das ändern.

Thymio in Action
Thymio

Sie wundern sich darüber, dass Ihre Kinder mehr oder weniger den gleichen Stoff auf die mehr oder weniger gleiche Art und Weise ermittelt bekommen wie einst Sie? Willkommen im Club.

Mit der Digitalisierung hat sich vieles von Grund auf geändert: In vielen Industrien und Ländern wird heute händeringend nach Personal für Jobs gesucht, die es vor fünf Jahren noch nicht gab, 65 Prozent der jetzigen Primarschüler landen in einem Job, den es heute noch nicht gibt.

«Medien und Informatik» bilden im Lehrplan 21 ein gemeinsames Modul. Doch wie weit soll das gehen? Einige Politiker und -unzählige Wirtschaftskapitäne fordern seit längerem, Kids mit Programmieren ebenso vertraut zu machen wie mit dem Abc.

Am WEF hat Martin Vetterli, Präsident der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), bei einem Espresso im Kongresszentrum in Davos mit Marc Walder den Stein ins Rollen gebracht. Am zweiten Schweizer -Digitaltag am 25. Oktober wird Marc Walder, Vater von zwei Töchtern, Ringier-CEO und treibende Kraft hinter der Standort-initiative, nun ankündigen: «Möglichst viele Kinder sollen in möglichst vielen Klassen mit -Thymio spielerisch lernen können, wie Computer funktionieren.»

Maschinen wie Thymio bereiten die Kinder auf die Digitalisierung vor.

Martin Vetterli, EPFL-Präsident

Thymio ist ein kleiner Roboter. Die Hardware entwickelt haben die Gruppe Mobots der EPFL und die Lausanner Kunstschule ECAL. Die Software ist in Kooperation mit dem Autonomous Systems Lab der ETH Zürich entstanden. Es steckt so viel Brain-power in Thymio, dass der Roboter einfach zu programmieren ist. Schon Kindergärtler können damit experimentieren. «Kinder müssen lernen, sich Probleme methodisch so zurechtzulegen, dass sie nach bestimmten formalen Vorgaben auch mit einem Computer gelöst werden können», sagt Vetterli. An der EPFL heisst das Fach Computational Thinking, Vetterli will eine Variante davon bereits in der Grundaus-bildung. «Maschinen wie Thymio bereiten die Kinder auf die Digitalisierung vor.»

Noch ist es Glückssache, ob ein Kind in der Schule den Umgang mit Technologie lernt. Wer mit Thymio arbeiten will, kann sich darauf ausbilden lassen. Bislang haben über 1000 Primarschulkräfte davon Gebrauch gemacht, rund 5000 Roboter sind im Einsatz. «Das wollen wir massiv ausbauen», sagt Walder.

Eine Million Franken ist für die Ausbildung, Lehrmittel und dergleichen nötig. Dieses Budget hat der ETH-Rat unter Führung von Fritz Schiesser, Lino Guzzella und Martin Vetterli bewilligt. Ist die erste Phase durch, werden Thymios gekauft und verteilt.

Gestartet wird mit dem «Alpenkonzept». Denn die ersten Kantone, die «thymiosiert» werden, sind bergig: Uri, Schwyz, Luzern, Tessin und Wallis. Erfüllen sich die Erwartungen, wird Thymio den Unterricht umkrempeln – und so aufs ganze Land ausstrahlen.