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2. SCHWEIZER DIGITALTAG
25. OKTOBER 2018

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DAS MAGAZIN ZUM 2. SCHWEIZER DIGITALTAG 25. OKTOBER 2018

Die dreisten Tricks der Influencer
Benjamin Rüegg*

Sie sind Statussymbol und Geschäftsmodell: Likes auf Social Media. Entsprechend oft wird getrickst. Teilweise ziemlich dreist.

Digitaler Schrei nach Liebe: Dieses Street-Art-Werk in Vancouver erhielt in der ersten ­Stunde 45 000 Likes.
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Vor der Übernahme durch Facebook hatte Instagram noch keinen Algorithmus. Dieser wurde im August 2016 eingeführt, seitdem wird der Instagram Feed nicht mehr chronologisch dargestellt, sondern von Instagram für die Nutzer priorisiert. Früher konnte man noch um 17 Uhr ein Foto posten und war sich sicher, dass viele Likes und Kommentare generiert wurden, da die Leute auf dem Heimweg waren. Inzwischen bestimmt Instagram, welche Fotos zuoberst im Feed angezeigt werden, was zu immer neuen Methoden der User führt, um den Algorithmus auszutricksen:

1. WhatsApp-Gruppen

Der Instagram-Algorithmus belohnt Posts, die in den ersten 30 bis 60 Minuten besonders viele Likes und Kommentare bekommen. Aus diesem Grund gibt es sogenannte «Engagement»-Gruppen auf WhatsApp und Telegram. Es gibt für jedes erdenkliche Thema eine Gruppe (Fashion, Fitness, Auto usw.), oft befinden sich Hunderte Teilnehmer in solchen Gruppen. Wenn jemand einen neuen Post auf Instagram veröffentlicht hat, postet derjenige sofort den Link in der entsprechenden Gruppe, und alle müssen den Post liken oder kommentieren – selbst wenn man sich untereinander eigentlich gar nicht kennt (Aufnahmeregeln für solche Gruppen siehe Box). Der russische Messenger Telegram ist noch beliebter als WhatsApp: Gruppen bei WhatsApp können «nur» 256 Teilnehmer haben, bei Telegram hingegen bis zu 30 000. Es gibt Engagement-Gruppen auf Telegram mit über 8000 Teilnehmern

2. PowerLikes

PowerLikes sind Likes von grossen, echten Accounts. PowerLike-Anbieter haben mehrere Dutzend grosse Instagram-Profile mit mehreren Hundert Millionen Followern im Angebot. Kauft man einen PowerLike, bekommt man von diesen Accounts Likes, was sich ebenfalls positiv auf Algorithmus und Reichweite auswirkt.

3. Unfollow-Bots

Sehr beliebt sind sogenannte Follow/Unfollow-Bots. Diese Bots folgen automatisch Tag und Nacht irgendwelchen Profilen, um ihnen dann ein paar Tage später wieder zu entfolgen. Es ist eine Art virtuelles Fangnetz auf Instagram: Unwissende User folgen zurück und merken nicht, dass das entsprechende Profil ein paar Tage später wieder klammheimlich entfolgt. Mit diesem Trick sammeln diese Bots in wenigen Tagen viele neue Follower ein. Weil man bei Instagram nur 7500 Accounts folgen kann, müssen diese Accounts ständig das Gleichgewicht halten und Profilen früher oder später wieder entfolgen. Unfollow-Bots werden oft von Marken und Influencern eingesetzt, weil sie für einen kurzen Moment sehr effektiv sind. Nachhaltig sind sie aber nicht: Wer die Bots abstellt, verliert anschliessend mehr Follower, als er gewinnt. Ein Teufelskreis.

4. Follower kaufen

Die günstige und schnellste Methode: Follower kaufen. Macht heute allerdings eigentlich fast keiner mehr, es kommt aber immer wieder vor. Egal, ob 500, 5000 oder 50 000 Follower: Wer bezahlt, kann sich eine beliebige Anzahl Follower bestellen. Für rund 9 Dollar kriegt man 1000 Follower aufs eigene Profil, 10 000 Follower gibts für rund 65 Dollar. Die Qualität der Follower ist erwartungsgemäss schlecht, da es sich meistens um keine «echten» Accounts handelt: Die neuen Follower interagieren nicht mit neuen Posts und verschwinden nach und nach wieder vom Profil, weil Instagram solche Accounts laufend erkennt und löscht. Effektiv ist das nicht, lässt aber die Zahl der Follower auf den ersten Blick gut aussehen. Noch immer lassen sich Firmen von der reinen Anzahl Follower blenden; viel wichtiger ist aber, wie viele der Follower mit dem Inhalt auch tatsächlich interagieren, also Likes und Kommentare unter den Posts absetzen (Engagement).

5. Engagement kaufen

Statt nur einfach 50 000 Follower zu kaufen, kann man sich auch für die «langsamere» Variante entscheiden. Dabei werden die neuen Follower nicht in einem Rutsch dem Profil hinzugefügt, sondern in regelmässigen Abständen, zum Beispiel 50 pro Tag. Wer etwas tiefer in die Tasche greift, kann zudem gefälschtes Engagement kaufen. Die gekauften Follower schreiben dann Kommentare und liken alle neuen Postings, was auf den ersten Blick ziemlich echt aussieht. Schaut man aber zum Beispiel die Kommentare etwas genauer an, erkennt man, dass viele nur Emojis beinhalten und gar keinen Bezug auf das Foto nehmen.

6. Profile auf dem Schwarzmarkt kaufen

Auch wenn es die AGB von Instagram ausdrücklich verbieten, werden auf dem Schwarzmarkt grosse Instagram-Profile zum Verkauf angeboten. Bezahlt wird meist mit Bitcoins, da die Anbieter anonym bleiben wollen. Wer ein Instagram-Profil auf dem Schwarzmarkt kauft, bekommt Reichweite praktisch auf dem Silbertablett serviert: Die Accounts haben Tausende Follower, und die Anbieter versprechen meistens, mit wie vielen Likes pro Post zu rechnen ist.

7. Shoutouts kaufen

Grosse Accounts verkaufen oft auch «Shoutouts» an kleinere Accounts. Dabei postet ein Influencer oder grosser Account auf Instagram ein Bild von einem anderen Account und verlinkt/taggt dabei das entsprechende Profil, was diesem ein paar neue Follower beschert. Eigens dafür geschaffene Marktplätze (z. B. www.shoutcart.com) vermitteln grosse Accounts und kassieren pro Shoutout bis zu 3000 Dollar.


*Benjamin Rüegg ist Web-Entwickler und Gründer des Influencer-Analyse-Tools www.likeometer.ch

Regeln in einer WhatsApp-Gruppe

  1. Labert nicht rum, teilt nur euren Instagram-Link.
  2. Kommentiert und liked den Beitrag der anderen, so schnell ihr könnt (innert 20 Minuten).
  3. Postet nur zwischen 19.30 und 20.30 Uhr, um den Aufwand für alle einzuschränken.
  4. Verwendet relevante Hashtags in euren Beiträgen.
  5. Kommentiert mit mindestens 3 Wörtern und passendem Emoji.
  6. Erfolg entsteht nur, wenn alle aktiv sind. Wer nicht aktiv ist, fliegt raus.
  7. Je mehr Leute in der Gruppe sind, desto effektiver ist sie.