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25. OKTOBER 2018

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DAS MAGAZIN ZUM 2. SCHWEIZER DIGITALTAG 25. OKTOBER 2018

Jetzt kommt der Algorithmus zum Zug
Claudia Mascherin

Viele Züge und ein begrenztes Schienennetz: Fahrplanänderungen sind für die SBB eine grosse Herausforderung. Ein Computersystem soll dies ändern.

Márton Botond

Das Schweizer Bahnnetz ist eines der dichtbefahrensten der Welt. Damit sich die Züge nicht in die Quere kommen, braucht es eine exakte Planung. Was heute noch mehrheitlich in aufwendiger Handarbeit passiert, soll ab 2020 schrittweise automatisiert werden. Die SBB tüfteln an einem Algorithmus, der den perfekten Fahrplan erstellt. «Das neue System soll gewährleisten, dass die Züge möglichst konfliktfrei vorankommen», sagt Julian Jordi, Mitglied des Algorithmik-Teams bei den SBB. «Im Idealfall stehen für die Lokführer in Zukunft alle Ampeln auf Grün.» So soll das Schienennetz optimal ausgenutzt werden.

Die Bedingungen an den Fahrplan stellt aber auch in Zukunft der Mensch. Jordi: «Die Verkehrsunternehmen geben beispielsweise vor, wann ein Zug den Bahnhof spätestens verlässt oder wie lange eine Fahrt maximal dauert.» Der Computer trägt dann alle Anforderungen zusammen und bastelt daraus den optimalen Fahrplan. Dabei ist es durchaus möglich, dass auch die künstliche Intelligenz an ihre Grenzen stösst. «Das Schienennetz ist begrenzt, Belegungskonflikte kann es immer geben», sagt Jordi. «Wichtig ist, dass das System dann schnell verschiedene Lösungsvarianten aufzeigt.» Diese sollen auch zum Einsatz kommen, wenn beispielsweise ein Zug ausfällt oder wenn es – wie diesen Sommer – wegen Grossbaustellen zu massiven Fahrplanänderungen kommt. «Hier waren die Planer bisher extrem gefordert», sagt Jordi. «In Zukunft kann mit dem neuen System in kurzer Zeit ein verlässlicher und ideal auf die Kundenbedürfnisse abgestimmter Fahrplan erstellt werden.» Die Planer und Disponenten agieren in solchen Situationen nur noch als eine Art Dirigenten und wählen aus den computergenerierten Vorschlägen die für die Passagiere komfortabelste Variante aus.

Aktuell laufen bei den internen Entwicklern der SBB verschiedene erfolgreiche Tests mit Prototypen. Unterstützung erhalten sie dabei von mehreren Hochschulen. Zudem rufen die SBB in einem internationalen Wettbewerb Programmierer zum Mitdenken auf. Diese können ihre Ideen über die Plattform «CrowdAl» einreichen. Bisher seien schon rund 50 Vorschläge eingegangen, sagt Jordi und erhofft sich viel davon. «Es kommt oft vor, dass gerade branchenfremde die besten Denkanstösse liefern.» Läuft alles nach Plan, erstellt ab 2025 schweizweit ein Computer den Fahrplan.