DAS MAGAZIN ZUM
2. SCHWEIZER DIGITALTAG
25. OKTOBER 2018

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DAS MAGAZIN ZUM 2. SCHWEIZER DIGITALTAG 25. OKTOBER 2018

«Vor uns liegt eine bessere Zukunft»
In Kooperation mit ABB

Ulrich Spiesshofer, CEO von ABB, über Auswirkungen und Chancen der Digitalisierung auf unsere Gesellschaft.

ABB

Der Digitaltag geht diesmal der Frage nach, ob und wie die Digitalisierung unsere Welt verändern wird. Wie erleben Sie diesen Wandel?
Ulrich Spiesshofer: Wir sind mitten im Wandel der Welt – die Digitalisierung begegnet uns heute bereits an vielen Orten. Ganz natürlich erledigen wir bereits heute unsere Arbeit auf synchronisierten Smartphones, Tablets und PCs, rufen unseren Lieblingsfilm wann immer wir wollen bei einem Streamingdienst ab und erledigen unsere Bankgeschäfte online. Jeder von uns erlebt den digitalen Wandel und viele damit verbundene Vorteile täglich hautnah.

Inzwischen sprechen wir auch im Fertigungsbereich von einer digitalen, der Vierten industriellen Revolution.
Für die Industrie – vor allem auch an einem Hochlohnstandort wie der Schweiz – ist die digitale Revolution eine grosse Chance, Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Sie kann als wichtigste Grundvoraussetzung gesehen werden, um die vorhandene Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren und neue Geschäftsmodelle und ‑chancen zu erschliessen. Wir sind mitten in einer industriellen Revolution, die schneller und radikaler vonstatten­gehen wird als jede davor. Daher müssen wir zügig und verantwortungsvoll handeln; die Chancen der Digitalisierung nutzen, um die Zukunft zu sichern.

Können Sie Beispiele für eine solche digitale Wertschöpfung nennen?
Mit unserer einzigartigen Palette an digitalen Lösungen – ABB Ability – bringen wir die Chancen der Digitalisierung in die Fabriken und Prozesse unserer Kunden. Damit gelingt es uns, schneller und besser zu planen, Anlagen schneller in Betrieb zu nehmen und die Produk­tivität nochmals deutlich zu steigern. Gleichzeitig schaffen wir neue Berufs­bilder – sowohl im dualen System mit der Lehrlingsausbildung als auch zum Beispiel im Ingenieurbereich. Ein gutes Beispiel dafür ist unser gemeinsam mit der Swatch-Gruppe entwickelter Smart Sensor für industrielle Elektromotoren und die damit verbundene digitale Fernwartungslösung. Mit dieser Lösung reduzieren wir Stillstandzeiten um mehr als die Hälfte und steigern gleichzeitig die Energieeffizienz sowie die Lebenserwartung der Motoren. Das ist gut für unsere Kunden, für die Umwelt und für die Sicherung der Beschäftigung.

Ein weiteres Beispiel ist unsere Technologieführerschaft bei Roboterlösungen. Durch gezielten Einsatz von 3D-Simulationen in der Planung und künstlicher Intelligenz sowie Fernwartung im Betrieb können wir auch hier die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden steigern und die Hürden zum Einsatz von Roboterlösungen vor allem für kleinere und mittelständische Unternehmen – von denen wir ja in der Schweiz viele haben – deutlich senken. Im Zusammenspiel Mensch-Roboter schaffen wir so Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung.

Für die Industrie ist die digitale Revolution eine grosse Chance, Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

Brauchen wir dann bald keine Fach­arbeiter mehr, weil immer mehr Roboter die Arbeit erledigen?
Ich verstehe, dass viele Menschen hier besorgt sind. Tatsächlich ist es aber so, dass die Länder mit der grössten Roboterdichte die niedrigsten Arbeitslosenquoten haben. Und mit diesem Verständnis müssen wir die Zukunft aktiv gestalten. Wir werden immer gut ausgebildete Arbeitskräfte, vor allem auch Lehrlinge und Facharbeiter, brauchen. Die Ausbildungsprofile ändern sich natürlich, wie auch in der Vergangenheit, und hier müssen wir als verantwortungsvolles Unternehmen auch in Zukunft gemeinsam mit den Ausbildungsinstitutionen eine aktive Rolle spielen. Wenn ich bei uns im Lehrlingsausbildungszentrum bin, freue ich mich jedes Mal, wie es unsere Ausbilder bereits heute schaffen, junge Menschen, aber auch Mitarbeiter, die an Fortbildungen teilnehmen, zu begeistern.

Studien zeigen aber, dass durch die Automatisierung auch Arbeitsplätze verloren gehen werden.
Arbeitstätigkeiten haben sich in der industriellen Geschichte schon immer verändert und werden das auch weiter­hin tun. Wir müssen hier aktiv gestalten. Ein Beispiel: In der Kombination aus Robotik und Automation auf der einen Seite und gut ausgebildeten Menschen auf der anderen entstehen auch Chancen. Wir haben zum Beispiel erst kürzlich für ein kleineres Unternehmen die Produktion aus China zurückgeholt, da mit der neuen Formel «Mensch und Roboter» hier in der Schweiz eine attraktive Produktion mit wettbewerbsfähigen Kosten aufgebaut werden konnte. Dieses «Re-shoring» schafft neue Arbeitsplätze und leistet auch hier einen Beitrag zur Senkung der Umweltbelastung, da weniger Produkte auf Schiffen über die Ozeane transportiert werden müssen. Und es gibt noch einen weiteren Effekt: Experten rechnen mit bis zu 890 Millionen neuen Jobs, die durch neue Technologien entstehen; vom Webentwickler oder Big-Data-Analysten bis zum Social-Media-Journalisten.

Muss also jeder Fabrikarbeiter zum Digital Immigrant werden?
Nein, denn wie bereits gesagt: Gerade die Länder mit der höchsten Roboterdichte gehören auch zu den Ländern mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten – Deutschland zum Beispiel, aber auch Südkorea oder Japan. In den USA, wo in den vergangenen fünf Jahren rund 100 000 neue Roboter installiert worden sind, wurden im gleichen Zeitraum 270 000 neue Arbeitsplätze in der Fertigung geschaffen – also weit mehr als zwei Jobs pro Roboter!

Sind unsere Gesellschaften für diese nachhaltigen Umwälzungen ausreichend gerüstet?
Hier sprechen Sie eine wichtige Aufgabe für alle Verantwortungsträger in Politik, Industrie und Ausbildung an. Ich werde mich auch weiterhin stark dafür einsetzen, dass wir gemeinsam unsere Aus- und Weiterbildungskonzepte überdenken und weiterentwickeln. Wir müssen den Menschen zuhören, sie informieren und sie mit auf die Reise in die Zukunft nehmen. Die Arbeitswelt verändert sich so schnell, dass heute jeder Zugang zu lebenslangem Lernen haben muss. Die Bildungsangebote und -formate müssen auf die Digitalisierung ausgerichtet und digitale Kompetenzen gefördert werden. Die Schweiz mit ihrem vorbildlichen dualen Bildungssystem und dem flexiblen Arbeitsmarkt hat hier im internationalen Wettbewerb besonders gute Karten in der Hand. Wenn wir diese richtig spielen und neue Techniken verantwortungsvoll nutzen, schaffen wir auch in Zukunft eine Schweiz, in der Wettbewerbsfähigkeit im neuen Muster Wohlstand und Beschäftigung sichert.