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Alles im grünen Bereich?
Adrian Meyer

Vor 20 Jahren kam «The Matrix» in die Kinos. Welche Visionen aus dem Film wurden Realität?

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Die revolutionären Kampfszenen in Zeitlupe, die Lack- und Lederästhetik, die grossen philosophischen Fragen: Der Science-Fiction-Film «The Matrix» war vor 20 Jahren eine Sensation und begeistert bis heute. Im Film wird die Menschheit in einer computergenerierten Traumwelt gefangen gehalten – ohne etwas davon zu merken. Damit halten Maschinen mit künstlicher Intelligenz die Menschen unter Kontrolle, um sie zur Energiegewinnung quasi als Batterien zu missbrauchen. Doch wie viel von der düsteren Zukunftsvision ist mittlerweile Realität geworden?

Tatsächlich hat die Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) in den vergangenen Jahren massive Fortschritte gemacht. Dank maschinellem Lernen können sich Computerprogramme heute schon selbständig neue Fähigkeiten beibringen, KI, komponiert Musik, steuert Autos, analysiert Sprache und Bilder, stellt medizinische Diagnosen. Noch weit entfernt scheint eine KI mit eigenem Bewusstsein – eine Superintelligenz, die die menschlichen Fähigkeiten bei weitem übersteigt.

Doch genau davor warnen zahlreiche renommierte Wissenschaftler und Philosophen. Sie befürchten, dass die Menschheit dereinst die Kontrolle über (super-)intelligente Maschinen verlieren könnte. Der 2018 verstorbene Physiker Stephen Hawking etwa sagte, die Entwicklung künstlicher Intelligenz «könnte entweder das Schlimmste oder das Beste sein, was den Menschen passiert ist». Zusammen mit mehr als tausend Forschern unterzeichnete Hawking zudem einen offenen Brief, der vor der Entwicklung autonomer Waffensysteme warnt. 28 Länder haben sich bei der Uno für ein umfassendes Verbot ausgesprochen. Denn «Killer-Roboter», die eigenständig über Leben und Tod entscheiden, sind beinahe Realität.

Ob autonome Artillerie- oder Raketensysteme, unbemannte Patrouillenboote oder Militärfahrzeuge – die technologische Entwicklung verläuft rasant. Schon jetzt fliegen Kampfdrohnen selbständig über Feindesgebiet, wo sie Ziele erfassen und auswerten. Zwar braucht es zum Abschuss noch ein menschliches Okay. Doch ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur vollautomatischen Lösung.

Und was ist mit der Theorie, dass wir in einer Computersimulation leben? Sie klingt zwar verrückt, wird aber durchaus ernsthaft diskutiert. Zu den berühmtesten Anhängern gehört Tesla-Gründer Elon Musk. Die Chance, dass wir nicht in einer Simulation leben, betrage eins zu einer Milliarde, sagt er. Musk treibt die Entwicklung einer «Matrix» sogar selber aktiv voran: Mit seiner Firma Neuralink will er bald Gehirne per Implantat mit Computern und künstlicher Intelligenz vernetzen. Irgendwann, so seine Vision, soll man damit das menschliche Bewusstsein in eine Cloud hochladen können – und unabhängig vom Körper weiterleben.