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3. SEPTEMBER 2019

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Politik mit Hashtag

Wie viel Einfluss hat Social Media auf Wählerinnen und Wähler und wie nutzen Politiker die neuen Kanäle, um Stimmen zu fangen?

US-Präsident Donald Trump ist der König auf Twitter. Niemand macht aggressiver Politik in den sozialen Medien als er. Seine Tweets bewegen Aktienkurse und versetzen verfeindete wie befreundete Generäle in Angst und Schrecken. «Ich mag Twitter, weil ich meinen Standpunkt damit verbreiten kann. Mein Standpunkt ist sehr wichtig für viele Menschen, die zu mir hochschauen», erklärt er die Funktionalität des Kanals für seine politische Arbeit.

Soziale Kanäle wie Twitter, Facebook, Youtube oder Instagram verändern den politischen Alltag. Selbst in der Schweiz ist Twitter nicht mehr allein ein Ort für Journalisten und Politikerinnen. Feedback auf politische Positionen erfolgt rasch, ist direkt, ungefiltert und geht in mehrere Richtungen.

Über die sozialen Medien können junge Wähler mobilisiert werden, was Barack Obama 2008 zur US-Präsidentschaft verhalf. Hierzulande hofft SP-Nationalrat Cédric Wermuth im Ständeratswahlkampf darauf. Kandidaten schalten ihre Werbevideos kostenlos auf Youtube statt teuer im Fernsehen oder im Radio. Botschaften lassen sich rasch viral verbreiten, indem die Anhänger eines Kandidaten sie teilen und liken.

Über die sozialen Medien sammeln Politikerinnen und Politiker zudem weltweit Spenden. In den USA beliebt sind sogenannte «money bombs»: 24 Stunden dauernde Bemühungen, bei den Followern Geld zu sammeln. Oftmals mit Erfolg. Allein ein Segen ist der digitale Raum für Politiker allerdings nicht, besonders heikel: der direkte Austausch mit kritischen Wählern. Gibt sich ein Kandidat als arrogant in seinen Antworten, fällt das auf ihn zurück. Schon mancher Parlamentarier hat Unsinn gepostet und postwendend einen Shitstorm geerntet. In der Schweiz zuletzt der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner, der auf Facebook die direkte Nummer einer Lehrerin veröffentlicht hatte, die muslimischen Kindern mitteilte, sie könnten für das Fest zum Ende des Fastenbrechens einen Jokertag beantragen.