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4. SCHWEIZER DIGITALTAGEN
1. BIS 3. NOVEMBER 2020

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Digitaltage Schweiz 2020

Spannungsfeld Schweiz

Die Schweiz hat neue Technik immer schon gleichzeitig beklagt und begrüsst. Das sollte man in aktuellen Diskussionen nicht vergessen.

Keystone

Von Thomas Ley

Es war die Zeit von iMac und Plüsch-Furby, von Nokia 3210 und Playstation. Es war die Geburtsstunde des Management by Blackberry, als man noch mit Yahoo googelte, als die Dotcom-Blase noch prall und verheissungsvoll war. Und es war die Zeit der Kopfschmerzen.

1999 wurden Schwindel am Tag und Schlafstörungen in der Nacht zur angeblichen Volkskrankheit. Und obwohl – oder gerade weil – bereits zwei von fünf Schweizern ein Handy in der Tasche hatten, machte man die Handymasten dafür verantwortlich. Oder wie man damals noch sagte: die Natel-Antenne.

«Antennen-Streit» lautete das Thema der ersten «Arena»-Sendung von Patrick Rohr. Der zurückhaltende Nachfolger von Zampano Filippo Leutenegger hatte es gleich mit einer geladenen Stimmung zu tun. «Immer mehr Patienten klagen über gesundheitliche Probleme», empörte sich die Grünen-Nationalrätin und Ärztin Ruth Gonseth. «Die Leute können nicht mehr schlafen, haben Kopfweh und Ohrensausen.» Alles wegen dieser Antennen.

Erster Antennen-Streit: «Arena»-Moderator Patrick Rohr 1999.
Keystone

Oder war es doch nur Einbildung? Der Neurologie-Professor Heinz Gregor Wieser antwortete ihr philosophisch: «Das Handy ist Informationsträger der Informationsgesellschaft, und Angst bekommen wir, weil wir diese unwahrscheinlichen Informationen, die auf uns zukommen, verarbeiten müssen.» Er meinte damit: Ihr habt halt Schiss vor der Zukunft – und es machte die Antennen-Skeptiker wütend. «Sie nehmen unsere Seite schlicht nicht ernst!», schimpfte Heini Glauser von der Schweizerischen Energiestiftung. Womöglich hatte Glauser recht. Das Lächeln der Provider-und Forschungs-Vertreter vis-à-vis lag irgendwo zwischen Arroganz und überspielter Verzweiflung. Womöglich dachten sie alle etwas, das Simonetta Sommaruga, damals noch oberste Konsumentenschützerin, in der Sendung dann so beschrieb: «Einen gewissen Widerspruch kann man nicht wegräumen. Viele Leute wollen die Handys – und ebenso viele Leute wollen keine Antennen.»

5G und das neue Kopfweh

Heute ist Sommaruga Bundesrätin und Kommunikationsministerin und hat mit einer Bewegung zu tun, die jener von 1999 recht ähnlich ist. Wir sind vier Mobilfunk-Generationen weiter. 5G heisst der neue Standard – und «5G!» wird zum Kampfruf der Technologie-Skeptiker. Ihre Argumente sind dieselben wie damals: Strahlen, Kopfweh, Albträume.

Vielen ist der Furor ein Rätsel. Rolf Vogt, Professor für Elektrotechnik und Informationstechnologie an der Berner Fachhochschule, erinnert sich: «Vor etwa zwei Jahren fragte eine Journalistin, ob ich Widerstand gegen 5G erwarte, und ich sagte, dass ich mir das kaum vorstellen könne. So kann man sich täuschen.» Denn der technologisch viel grössere Schritt von 3G auf 4G, so erinnert sich Vogt, habe ein eher kleines Echo hervorgerufen. Von 4G auf 5G werde sich dagegen der Typ der ausgesendeten Signale und auch die Stärke kaum ändern. Und jetzt wird gestritten?

Plötzlich ist es der Branche unheimlich. Was, wenn sie das Ganze an die plebiszitäre Wand fährt? Es wäre denkbar. Zwar sei bei uns der Widerstand kaum grösser als in anderen Ländern, stellt der Zürcher GLP-Nationalrat Jörg Mäder fest: «In Grossbritannien wurden immerhin 5G-Masten abgefackelt. Das scheint mir doch auch eine heftige Opposition zu sein.» Aber in der Schweiz könne man nun einmal sofort eine Abstimmungsvorlage lancieren. «Das ist ein grosser Unterschied.»

Und das hat potenziell drastische Folgen. Avenir Suisse skizzierte diesen Frühling eine Parallelwelt-Schweiz, in der 2002 die Einführung von 3G verboten worden war. Die Folge wäre ein Land gewesen, in dem man in den Zehnerjahren noch Karten ausdruckt, statt Google Maps zu gebrauchen. Ein Land fast ohne Apps, in dem die Menschen noch mit CD-Geräten spazieren gehen. In dem die Zeitungsverlage noch mit Papier ihr Geld machen und in dem man noch heute 20 Rappen pro SMS zahlt.

Die Schweiz ein «dunkler Fleck im digitalen Europa» würde die Zeitschrift «Economist» in diesem Parallel-Universum schreiben. Ein Land «unter einer schützenden Käseglocke, an der so manche technologische Neuerung abprallt», warnt Avenir Suisse.

Eisenbahn und Spinnereien

Die Angst, abgehängt zu werden, war immer schon Triebfeder des Fortschritts in der Schweiz. 1852, im Jahr der Verabschiedung des ersten Eisenbahngesetzes, waren wir tatsächlich ein blinder Fleck auf der rasant wachsenden europäischen Bahnkarte. Das Alpenland drohte im Westen über die französische Mont-Cenis-Bahn und im Osten über die österreichische Brennerlinie schlicht umfahren zu werden. Derweil diskutierten die Schweizer darüber, ob das Bahnfahren für Passagiere zu ungesund und für Restaurants und Fuhrhalter der wirtschaftliche Untergang sei. Doch am Ende überzeugte Bundesstaat-Pionier Alfred Escher seine Bundeshaus-Kollegen, die «europäische Einsiedelei» zu vermeiden und den Schienenboom in Fahrt zu bringen. Der Rest ist Eisenbahngeschichte.

Schienenboom: Gotthardbau 1872 bis 1880.
The Granger Collection

Und das war nicht einmal der grösste Technologie-Schock der Schweizer Geschichte, wie der Zürcher Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann schreibt. Der habe gut hundert Jahre davor stattgefunden und die Deutschschweiz «regelrecht durchgeschüttelt». Straumann meint die Etablierung der Baumwollspinnfabriken, das Ende der bäuerlichen Webstühle: «Man schätzt, dass ungefähr 100'000 Spinnerinnen und Spinner in den 1790er-Jahren die Arbeit verloren – bei einer Gesamtbevölkerung der damaligen Eidgenossenschaft von rund 1,6 Millionen Personen», so Straumann. Spinnmaschinen, die auf einen Schlag 30 Weber ersetzten – so ein Bruch sei heute kaum mehr vorstellbar.

In Grossbritannien fand er etwa zur selben Zeit statt. Die «Spinning Jenny», die erste dampfbetriebene Spinnmaschine, ersetzte 200 Handwerker. Eine unglaubliche Veränderung. Die Folge war letztlich ein nie gekannter Wirtschaftsboom und Arbeit für Millionen – aber in den ersten Jahrzehnten verelendeten auf einen Schlag ganze Landstriche. Kein Wunder standen die Menschen diesem Fortschritt mit Angst und Wut gegenüber. Die «Maschinenstürmer», inspiriert von Ned Ludd, einem Weber, der angeblich 1779 in seiner Wut zwei Spinnmaschinen zertrümmerte – den es aber in Wahrheit gar nie gab. Doch die Ludd-Legende inspirierte die Ludditen 1811 zu einem handgreiflichen Kreuzzug gegen die Maschinen, den das britische Militär schliesslich mit Waffengewalt niederschlagen musste.

Blühender Industrieort: In der Kammgarn-Spinnerei in Bürglen TG werden die Maschinen 1958 mit Händen und Knien bedient.
Photopress-Archiv

Neo-Ludditen und Corona-Skeptiker

Sind die Zeiten brachialer Gewalt gegen Technik wirklich vorbei? Der «Guardian» fragte vor zwei Jahren, ob jetzt die Zeit der Neo-Ludditen gekommen sei. Denn noch bevor man in Grossbritannien 5G-Masten sprengte, zündeten sie in Indien, Kroatien, Ungarn, Polen, Kolumbien, sogar in Frankreich Uber-Taxis an.

2017 wurde auf «La Casemate» in Grenoble, eigentlich nichts weiter als ein Showroom für moderne Arbeitswelten, ein Brandanschlag verübt. Diese «für ihre schädliche Verbreitung digitaler Kultur berüchtigte Institution» habe das schon lange verdient gehabt, schrieben die Attentäter und kündigten dramatisch an: «Heute brannten wir ‹La Casemate› nieder, morgen wird es etwas anderes sein. Alles, was wir hassen, soll brennen.»

Fusstritt auf Herbeiwinken: Während eines Streiks in Barcelona lässt ein Taxifahrer seiner Aversion gegen Uber freien Lauf.
Reuters

Derart gewalttätig zeigt sich die Wut in der Schweiz nicht. Immerhin wurde im Juni 2019 im waadtländischen Denens eine Handy-Antenne abgebrannt, ziemlich sicher durch einen Anschlag. Wer weiss, ob der Bündner Marco Camenisch, der in den 70ern Hochspannungsleitungen sprengte, bald Landsleute inspiriert.Denn was diesen Sommer ebenfalls in die Schweiz schwappte, war der neue Eintopf aus Corona-Skepsis, trumpistischen QAnon-Märchen und 5G-Angst. Plötzlich standen sie in Zürich und plakatierten, dass Microsoftgründer und Software-Milliardär Bill Gates mithilfe von 5G-Strahlen Covid über die Welt verteile – und ähnlich krude Behauptungen.

Interessant an der neuen Digital-Phobie ist, dass sie natürlich online stattfindet. Die britische «Hope Not Hate»-Kampagne führte diesen Frühling eine Umfrage durch, wonach rund acht Prozent der Insulaner überzeugt sind, dass 5G das Coronavirus verbreite, 19 Prozent halten das zumindest für möglich. 37 Prozent haben in den vier Wochen davor Artikel oder Videos gesehen, in denen entsprechende Verschwörungstheorien diskutiert werden. Sie lasen diese in der Regel auf Facebook, in Gruppen mit Zehntausenden von Followern. «Hope» fand dort Posts wie diesen: «5G ist unheimlicher als die Atombombe, denn es macht die Leute zu Zombies und Sklaven im Dienst der zionistischen Superreichen-Klasse.» Da ist dann alles drin. Man könnte es die Antennen-Angst 4.0 nennen: in der linearen «Arena»-Welt geboren und ins nicht-lineare Reich von Youtube und Facebook hinübergewachsen, stets abrufbar auf dem Smartphone.

Politischer Catwalk: Auf dem Bundeshaus-Platz in Bern wird am 21. September 2019 gegen 5G-Technologie und deren Einsatz demonstriert.
Keystone

Nicht in allen Ländern entwickelt sie dieselbe Kraft auf der Strasse. Während sich in Berlin Ende August je nach Schätzung bis zu 20 000 und in Zürich bis zu 2000 Corona-Bill-Gates-5G-Skeptiker versammelten, waren es in Wien oder London nur einige Hundert. GLP-Nationalrat Mäder erstaunt das nicht: «Man darf nie vergessen, dass der sogenannte ‹Long Tail›, der Rattenschwanz von kruden Internet-Informationen, ein viel grösseres Echo vorgaukelt, als in Tat und Wahrheit da ist. Verschwörungstheorien haben keine Mehrheit.»

Bundesrat und Initiativen

Das steht in der Schweiz allerdings noch nicht fest. Die Bewegung ist entschlossen, ihre Mehrheitsfähigkeit zu testen. Inzwischen sind gleich fünf Initiativen auf dem Weg, mit ähnlichen Namen und Anliegen. So will die «Initiative für einen gesundheitsverträglichen und stromsparenden Mobilfunk» die Grenzwerte von 1999 in der Verfassung festschreiben. Die «Mobilfunkhaftungs-Initiativ» will Provider für Folgen von Strahlung schadenersatzpflichtig machen. Die «Gemeinde-Autonomie für Mobilfunkabdeckung» gibt Gemeinden für Antennenstandorte die Verantwortung. Die «Frequencia-Initiative für strahlungsarme Lebensräume» fordert antennenstrahlungslose Wohnungen – wer dort mobil telefoniert, soll Kabel oder WLAN benutzen. Und die «Initiative 5G» postuliert ein Fünf-Jahre-Moratorium für Millimeterwellen.

Die Initiativen-Flut ist auch Hans-Ulrich Jakob, einem Langzeit-Streiter gegen Mobilfunkstrahlung, unheimlich. Er kämpfte in den 80er-Jahren gegen den Berner Kurzwellensender Schwarzenburg, mit dem Schweizer Radio International verbreitet wurde. «Ich hätte mir gewünscht, man hätte sich auf eine Initiative einigen können, statt sich mit fünf zu verzetteln», sagt er gegenüber SRF. Er habe versucht, die Kräfte zu bündeln, «aber da bin ich an die Falschen geraten». Er beobachte eine gewisse «Selbstherrlichkeit» bei den einzelnen Gruppen.

5G kommt ihnen nicht in die Tüte: Nationale «Stop 5G»-Kundgebung am 10. Mai 2019 in Bern.
Keystone

Doch die Gegner müssen nicht nur auf ihre Initiativen vertrauen. Bereits vier Kantone – Neuenburg, Genf, Waadt und Jura – haben entweder eigene 5G-Moratorien beschlossen oder per Standesinitiative ein nationales Moratorium gefordert. Und der Bund ist zum Frust der Telekom-Branche derzeit eher entscheidungsscheu. Im April beschloss die Regierung, die Grenzwerte nicht zu lockern. Die Drohung der Provider, dass man 26 000 neue Sender aufstellen müsse, wenn man die gegebenen nicht leicht verstärken könne, stiess auf taube Ohren.

Stattdessen baut man jetzt auf sogenannte adaptive Antennen, die Signale nicht einfach breit streuen, sondern gezielt Richtung aktuelle Nutzer fokussieren. Bundesrätin Simonetta Sommaruga, einst in den «Arena»-Reihen der Handymast-Skeptikern, schwört auf die neue Technologie. Auch die Swisscom schwärmt von der «nachhaltigen Digitalisierung». Alle happy, also?

Natürlich nicht. Die Strahlen-Gegner werfen ihr eine versteckte «massive» Grenzwerterhöhung vor. Man werde der Bundesrätin wohl einmal im Rahmen eines persönlichen Treffens Ausmass und Auswirkungen erklären müssen, schlagen sie per offenem Brief vor – «anhand von Grafiken und praktischen Beispielen».

Eine industriehörige Bundesrätin, der es an Vorsicht mangelt? Kaum, würde der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas da wohl sagen. Er sieht der Diskussion mit wachsender Unruhe zu. «Fast 90 Prozent aller Baugesuche für Sendemasten, sei es für 4G oder 5G, sind blockiert», stellt er fest, «und das macht mir grosse Sorgen.» Bedauerlich, dass Sommarugas UVEK derzeit wenig Interesse zeige, den Prozess voranzutreiben «und die herrschende Bewilligungsblockade zu lösen».

Das Thema ist der Politik in sehr kurzer Zeit entglitten, gibt er zu: «Die Sache hat ein Ausmass angenommen, das wir so früher nicht kannten. Ich erinnere mich noch an den Beschluss der Nationalratskommission für Fernmeldewesen und Verkehr von 2016, bei dem mit 23 zu 2 Stimmen sogar eine Lockerung der Grenzwerte vorgeschlagen wurde.» Fast einstimmig – das könne man sich heute gar nicht mehr vorstellen, sagt er fast wehmütig. Was ist da passiert? War man politisch zu blauäugig? Oder eben doch auch wissenschaftlich zu optimistisch?

Irrtümer und Strategien

Bitte sachlich bleiben, mahnt Informationstechnologe Rolf Vogt: «Wir sind doch ständig umgeben von elektromagnetischen Wellen. Alle unsere elektronischen Geräte geben sie ab, aber auch moderne Selbstverständlichkeiten wie WLAN.» Gemessen an der Strahlung eines heimischen WLAN-Geräts sei die zusätzliche Strahlung durch eine 5G-Antenne wie ein Glas Wasser in eine volle Badewanne. «Sitzen Sie, sagen wir mal, drei Meter von Ihrer WLAN-Quelle entfernt, dann ist das oft 10 000-mal stärker als die Strahlung einer 5G-Antenne von draussen.»

Vogt verfolgt die Technik-Debatte schon eine Weile – und er kann sich ihre Wendungen nicht immer erklären. «Als das Natel-C-Netz installiert wurde, also 1G, gab es kaum Widerstand», erzählt er. «Das kam erst, als man auf 2G wechselte. Das sei gefährlich, hiess es, weil man von konstanten Wellen auf pulsierende wechsle.» Es behielten dann doch nicht alle Leute ihr nicht-pulsierendes Natel-C, die das damals, Ende der 90er-Jahre, ankündigt hatten.

Beim Wechsel auf 3G habe es wieder Opposition gegeben, obwohl da die Sendeleistung des einzelnen Handys sank – nicht stieg. «Das geht ohnehin stets unter in der Diskussion: die Belastung durch das eigene Handy beim Telefonieren oder Surfen.» Dabei sei diese um den Faktor einer Million höher als durch jeden Mast.

Dass sich falsche Vorstellungen und verzerrte Wahrnehmungen so hartnäckig halten, sei für ihn frustrierend, sagt der Wissenschaftler: «Die Provider fahren da aus meiner Sicht eine falsche Strategie, indem sie ständig betonen, sie nähmen die Ängste sehr ernst – und sie dadurch erhalten.»

Das sieht Nationalrat Candinas ähnlich: «Möglich, dass man seitens der Provider die Debatte falsch anging», mutmasst er. «Man sprach schon Jahre im Voraus von 5G, wartete aber zu lange mit der Einführung. Bis es in der öffentlichen Diskussion als etwas ganz Schlimmes dargestellt wurde. Man verpasste zu informieren – plötzlich war das Thema eine Art Religionsfrage.»

Eine ernüchternde Situation, also, ausgerechnet 2020. Wo ist der erwartete Digitalisierungsschub am Ende des Corona-Jahres? Die kurze Antwort ist: Er hat stattgefunden, aber weniger deutlich als erhofft. «Den Corona-Stresstest nur teilweise bestanden» ist das Fazit des Lausanner Management-Instituts IMD in dessen jährlicher Digitalisierungsstudie. Prompt muss die Schweiz im IMD-Ranking einen Platz abgeben und rutscht auf Rang 6.

Das ist zwar bei 63 untersuchten Ländern immer noch weit vorn. Und in den Bereichen Wissen, internationale Erfahrung und Fachkraft steht die Schweiz auf dem Podium. Es hapert aber bei Gleichstellung, Forschung, Entwicklung und technologischer Innovation. Das IMD bemängelt insbesondere die geringe Zahl Firmengründungen und die tiefe Kapitalisierung von IT-Firmen. Das ärgert natürlich die Branche. Avenir Suisse verlangt, dass der Bund, lautstark unterstützt von Wissenschaft und Wirtschaft, jetzt Schluss machen müsse mit den regionalen 5G-Moratorien. «Es gilt der Bundesverfassung wieder Geltung zu verschaffen. Die Federführung bei der Mobilfunkinfrastruktur liegt klar beim Bund.» Und falls tatsächlich eine der angekündigten Initiativen zustande kommen sollte, was ohnehin «Zukunftsmusik» sei, dann sei sie dem Volk rasch zu unterbreiten. Augen zu und durch, also. Eine riskante Strategie. Denn ein rasch eingeholtes Nein bleibt ein Nein.

Mit den Schweizern kann man reden. Das zeigt der Blick in die Vergangenheit. Ob Spinnfabriken oder Eisenbahn, Radiosender oder Natel-Antennen: Am Ende verwehren sie sich dem technischen Fortschritt nicht – wenn sie sich ernst genommen fühlen.