Die Nummer 1: Sängerin Selena Gomez hat 128 Millionen Follower auf Instagram. (Foto: Jeff Vinnick/Getty Images for Free The Children)
Von Sven Ruoss

Die Jugend liebt Social-Media-Plattformen. Whatsapp, Instagram, Facebook, Snapchat und Youtube sind die fünf Lieblingsapps auf dem Smartphone für die Digital Natives in der Schweiz.

Sie sitzen gemütlich vor dem TV und entspannen sich nach einem anstrengenden Tag. Zumindest so lange, bis das Smartphone neben Ihnen vibriert. Eine Whatsapp-Nachricht von einem Kollegen, der Ihnen ein Bild vom Pizzaessen schickt, an das Sie auch eingeladen gewesen wären. Dem Facebook-Feed entnehmen Sie, wie viele Ihrer Freunde gerade den Rolling Stones im Letzigrund zujubeln. Und plötzlich fühlt sich der Abend auf dem Sofa nicht mehr so entspannend an. Wäre Pizzaessen mit den Kollegen oder das Konzert nicht doch die bessere Wahl gewesen?

Sicherlich kennen Sie dieses Gefühl, das FOMO (Abkürzung für fear of missing out) genannt wird, auch. Die Angst, etwas zu verpassen, begleitet uns schon immer. Diese Angst hat sich jedoch in den letzten Jahren durch das Aufkommen der sozialen Medien und der mobilen Kommunikationsmittel verstärkt. Durch Social Media erhalten wir einen schnelleren und tieferen Einblick in das Leben unserer Freunde und Bekannten. Durch ständige Status-Updates auf Face-book, Instagram, Snapchat und Co. ist man konstant auf dem Laufenden. Es gibt immer mehr Selbstdarsteller, welche ihr Leben online bunter und interessanter darstellen lassen. Der Timeline-Hedonismus lebt. Keine Chance lässt man sich im Hier und Jetzt entgehen, um Spass zu haben, denn man lebt ja nur einmal. Oder kurz: YOLO (Ab­kürzung für you only live once). FOMO und YOLO sind wie Brüder. YOLO ist der spassige Selbst­darsteller, FOMO der zaudernde Streber, der bezüglich Freizeitmanagement alles richtig machen will. Und dann gibt es noch die ängstliche einsame Katze namens FOJI (Abkürzung für fear of joining in). Diese Personen wissen nicht, welche Inhalte sie auf Social-Media publizieren sollen. Sie haben Angst, dass sie keine Follower finden oder ihre Inhalte niemand liked.

Durch FOMO und YOLO wird es immer schwieriger, den Moment zu geniessen. Überspitzt zusammengefasst: Viele warten nur noch ständig auf das nächste grosse Erlebnis, um es dann über die eigenen Social-Media-Kanäle den Freunden unter die Nase zu reiben. Doch was kann man gegen FOMO tun? Einfach das Smartphone weglegen und das digitale Leben seiner Freunde nicht mehr mitverfolgen? Das hilft leider nicht weiter. Denn gar nicht zu wissen, was passiert, ist schlimmer als die Angst, etwas zu verpassen. Die Sorge, etwas zu verpassen, weil die anderen nicht mehr teilen, wird MOMO (Abkürzung für mystery of missing out) genannt. Wenn die eigenen Social-Media-Freunde nichts mehr posten, steigt die Nervosität. Die Fantasie geht dann mit uns durch. Haben die Freunde gerade die Zeit ihres Lebens, sodass sie sogar vergessen, dies online festzuhalten? Und das ohne mich?

Eine gute Alternative ist das demonstrative Fröhnen von JOMO (Abkürzung für joy of missing out). Dabei geht es um das bewusste Verpassen. Es einfach mal geniessen, sich rauszuhalten. JOMO ist der Gegentrend zu FOMO und wirkt teilweise wie ein Hilfeschrei in Zeiten digitaler Überforderung. Man geniesst den gemütlichen Abend alleine auf dem Sofa. Und wenn man will, kann man noch ein Bild der eigenen Trainerhose auf dem Sofa fotografieren und mit dem Hashtag «JOMO» auf Instagram stellen.

Zum Autor: Sven Ruoss ist Head of Product & Business Development bei der Blick-Gruppe & Studienleiter CAS Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ).