Seit September 2012 Konzernleiterin der Schweizerischen Post: Susanne Ruoff (59). (Die Schweizerische Post AG)

«Die Post muss und will die Zukunft mitgestalten»

«Neues zu wagen, braucht mehr Mut, als in alten Mustern zu verharren», schreibt die Post-Konzernleiterin Susanne Ruoff.

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Welt in hohem Tempo verändert. Neue Entwicklungen wecken jedoch oft auch Unsicherheiten und können dazu führen, dass wir Vertrautes nicht loslassen wollen. Die Post kennt dies seit jeher: Als seinerzeit die Postkutsche vom Postauto abgelöst wurde, gab es heftige Diskussionen. Oder können Sie sich noch an die Debatten erinnern, die der erste Bancomat in der Schweiz vor knapp 50 Jahren auslöste? Heute können wir darüber nur noch schmunzeln.

Die digitale Revolution ist jedoch umfassender als alles, was wir bislang kannten. Sie durchdringt sämtliche Lebensbereiche. Wir lesen Nachrichten online, lassen uns das Flugticket aufs Smartphone schicken und erwarten, dass wir weltweit mit elek­tronischen Zahlungsmitteln einkaufen können. Wenn sich aber Gewohnheiten oder Dinge ändern, die uns bis anhin ein Gefühl von Heimat, Tradition oder Sicherheit vermittelten, können wir uns mit einem Mal schwer mit Neuem tun. Auch wenn jedem klar ist, dass sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen lässt.

Die Postkutschen sind jedenfalls nur noch auf Nostalgiefahrten unterwegs. In Sitten ist mittlerweile als weltweit beachtetes Projekt ein selbstfahrender Shuttlebus im Einsatz. Und die unzähligen Bancomaten? Auch sie sind schon bald wieder überholt: Wir tätigen unsere Bankgeschäfte zunehmend im Internet oder zahlen mit Twint.

Bei all den technologischen Entwick­lungen darf nicht vergessen werden: Die Digitalisierung ist nicht «einfach so» aus heiterem Himmel, über die globale Welt hereingebrochen: Das Smartphone und viele andere neue Technologien haben unseren Alltag und unser Konsumverhalten konti­nuierlich auf den Kopf gestellt. Sie bieten uns neue Services und Produkte an, die wir uns vor ein paar Jahren nicht mal hätten vorstellen können, die aber heute längst selbstverständlich sind und unser Leben vereinfachen. Würden wir diese Angebote sonst in immer grösserem Masse nachfragen?

Die Schweizerische Post steht seit jeher für Zuverlässigkeit, Sicherheit und für Beständigkeit. Sie ist ein Stück Schweiz. Zugleich ist die Post im höchsten Masse der technologischen Revolution ausgesetzt. E-Mails verdrängen Briefe, Online-Shopping führt zu einer Zunahme des Paketvolumens, neue, globale Mitbewerber drängen in den Markt. Es sind viele Herausforderungen, auf welche die Post Antworten finden muss. Sie tut dies entlang der veränderten Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden. Diese sollen die digitalen Produkte der Post individuell, unabhängig und einfach nutzten können. Beispielsweise indem sie rund um die Uhr Pakete an einem My Post 24-Automaten abholen können oder aber mit dem Service «Meine Sendungen» Lieferungen an einen alternativen Zustellort weiterleiten.

Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass sich unser Kerngeschäft – der Transport von Personen, Gütern und Informationen – weiter verändern wird. Auch hier muss die Post aktiv sein und neue Möglichkeiten ausloten. Deshalb testen wir Drohnen für Speziallieferungen, zum Beispiel zwischen Spitälern. Oder wir machen mit dem erwähnten SmartShuttle in Sitten deutlich, dass die Post auch in Zukunft eine aktive Rolle in der Gestaltung und Entwicklung des Schweizer Mobilitätsmarktes spielen will.

Die Post ist zudem als Übermittlerin von vertraulichen Informationen unbestritten. Deshalb ist sie dazu prädestiniert, diese Rolle auch in der digitalen Welt zu übernehmen. So zum Beispiel mit unserer digitalen Lösung für das E-Voting, welche es Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern einfacher macht, an Wahlen oder Abstimmungen teilzunehmen. Oder auch im Bereich E-Health: Dort bietet die Post als führende Anbieterin mit einem modularen System individualisierbare Lösungen im Gesundheitswesen.Aber nicht alles, was technisch machbar ist, muss von einem Unternehmen wie der Schweizerischen Post auch gemacht werden. Wir pflegen keine technischen Spielereien, sondern wollen dort stark sein, wo es den Kundinnen und Kunden den grössten Nutzen bringt. Daran arbeiten wir Tag für Tag. Deswegen bin ich besonders stolz, dass wir dieses Jahr den «Digital Transformation Award» gewonnen haben. Der Preis ist auch ein Kompliment an unsere 62 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die technologische Transformation unserer Angebote und unseres Unternehmens gemeinsam anpacken. Als verantwortungsvolle Arbeitgeberin unterstützen wir sie auf ihrem beruflichen Weg: mit zukunftsorientierten Aus- und Weiterbildungsprogrammen. Dies liegt uns sehr am Herzen.

Wir wissen alle: Neues zu wagen, braucht mehr Mut, als in alten Mustern zu verharren. Neues zu testen, Projekte anzuschieben – ob alleine oder mit starken Kooperationspartnern – liegt in der DNA der Post. Das wird so bleiben. Deshalb darf die Post den technologischen Entwicklungen nicht träge hinterherhinken, sondern muss vorne mit dabei sein. Oder um es noch deutlicher zu sagen: Die Post muss und will die Zukunft mitgestalten.