Die Väter des Superhirns Starmind: Marc Vontobel (33, l.) und Pascal Kaufmann (39). (Starmind)

In grossen Unternehmen gibt es enorm viel Know-how, von dem niemand eine Ahnung hat. Die Software des Start-ups Starmind macht dieses Wissen nutzbar.

Sie lernten sich im Labor für künst­liche Intelligenz der Universität Zürich kennen: Der Wirtschaftsinformatiker Marc Vontobel (33) und der Neurowissenschaftler Pascal Kaufmann (39) arbeiteten im Team des mittlerweile emeritierten Professors Rolf Pfeifer an humanoiden Robotern. «Uns war schnell klar, dass wir uns niemals alles Wissen aneignen könnten, das für die Entwicklung dieses Roboters nötig war», sagt Marc Vontobel. «Wir wären 70 geworden, bis wir die erste Schraube in den Roboter gedreht hätten.» So entstand die Idee für Starmind – eine Software, die mithilfe künstlicher Intelligenz Wissensträger innerhalb von grossen Organisationen vernetzt. «In grossen Unternehmen liegt enorm viel Wissen in den Köpfen von Mitarbeitern brach, weil Firmen nicht darauf zugreifen können», sagt Marc Von­tobel. «Starmind macht dieses Wissen sichtbar, zugänglich und nutzbar.»

Seiner Mutter erkläre er Starmind so: Man schreibe eine Art E-Mail mit einer Frage, ohne einen Empfänger eingeben zu müssen. Starmind erkenne, worum es in der Frage geht, und wisse, wer innerhalb der Organisation ein Experte für das Thema ist und die Antwort geben kann. «Nicht der Fragesteller, sondern die Frage findet die richtige Person. Das ist eine enorme Zeit­ersparnis», sagt Vontobel. Mittlerweile wird Starmind bereits in 70 Ländern genutzt, unter anderem von Grossunternehmen wie Nestlé, Swisscom, SwissRe oder Six Group. Wird Starmind in einer Firma implementiert, ist es noch eine Art Babyhirn. Im Sinne von «Trial and Error» probiert Starmind am Anfang viel aus: Wenn jemand nicht antworten kann, fragt es, wer sonst eine Antwort haben könnte.

«So lernt die künstliche Intelligenz die Mitarbeitenden kennen und weiss, welche Expertisen und Interessen sie haben», sagt Vontobel. «Schon nach zwei bis drei Mo­naten haben wir ein voll funktionierendes Erwachsenenhirn.» Aktuell findet Starmind auf 94 von 100 Fragen die richtige Antwort. «Selbstverständlich wollen wir eine 100-prozentige Lösungsrate erreichen», sagt Vontobel. Daran werde in Zürich, «dem Herzen von Starmind», intensiv getüftelt.

Weitere Büros hat Starmind in Frankfurt und New York. Und die beiden Gründer denken bereits weiter: Die künstliche Intelligenz soll bald Projektteams zusammenstellen, deren Mitglieder sich bestmöglich ergänzen. Und das sei noch längst nicht das Ende, ist sich Marc Vontobel sicher. «Das Potenzial für unsere Technologie, die ursprünglich aus totalem Eigennutz entstand, ist riesig.»

Für den Digitaltag am 21. November hat Starmind ein eigenes Netzwerk erstellt. Laden Sie im Vorfeld im App Store von Apple oder Android die Starmind-App herunter und scannen Sie am Stand im Hauptbahnhof Zürich den Code. Danach haben Sie Zugriff aufs Netzwerk und können dem grossen Hirn Fragen stellen.