«Das Geheimnis ist das Licht»: Tanja La Croix weiss, wie das perfekte Selfie entsteht.
Von René Haenig

Narzissmus? Sucht nach Selbst­darstellung? Nicht immer. DJ Tanja La Croix nutzt Social Media, um ihren Fans näherzukommen – und um ihre Authentizität zu wahren.

Sie ist eine der gefragtesten Schweizer DJs: Tanja La Croix, 35. Das ehemalige Model legt in den angesagtesten Clubs von Ibiza und Mallora, Moskau und Monaco, Beirut und Dubai auf. 2004 startet die St. Gallerin ihre internationale Musikkarriere, sorgt seit 13 Jahren an den Turntables dafür, dass ihr Publikum in den Clubs hemmungslos abtanzt. Ihre Fans verteilen sich rund um den Globus – und sind doch immer dabei, egal, wo Tanja gerade auflegt. Ob via Facebook oder Instagram, Snapchat oder Twitter, die DJ-Lady lässt ihre Community an ihrem aufregenden Leben teilhaben. Und wer sie gerade nicht live erleben kann, hört Tanjas Sound auf ihrem Spotify-, Soundcloud- oder Youtube-Kanal.

«Social Media erlaubt mir eine intensivere Bindung zu meinen Fans», sagt Tanja La Croix. «Immer authentisch sein» lautet dabei ihr Motto. Und das beinhaltet für die Musikerin, sich frühmorgens nach dem Aufwachen auch mal ungeschminkt zu zeigen. Angefangen hat sie mit einem Profil bei Facebook. «Das muss 2008 gewesen sein», erinnert sie sich. Nach einem Gig in Istanbul hatte ihr der Veranstalter von der Social-Media-Plattform erzählt. Zurück in der Schweiz legt sie sich einen Account an. Und stösst schnell an die Grenzen. «Ich hatte so viele Freundschaftsanfragen von Fans, dass bald nichts mehr ging», erinnert sich Tanja. Vom privaten Profil wechselt sie zur Fan-Seite, die heute mehr als 112 000 Personen abonniert haben. «Eine Dimension, die ich mir beim Start nie hätte vorstellen können.» Auf ihrem Instagram-Profil hat die Schweizer DJ-Lady fast 55 000 Abonnenten.

Egal ob sie Fotos oder Videos postet, Tanja agiert sowohl spontan als auch strategisch bei der Auswahl ihrer Beiträge. So plant sie ihre Facebook-Radioshows und Influencer-Postings ganz klar voraus, Studio-Fotos beim Produzieren neuer Tracks dagegen schiesst und postet sie spontan. Auch wenn sie, wie kürzlich geschehen, sich eine einwöchige Auszeit für gemeinsame Ferien mit ihrer Mutter Yvonne nimmt, kündigt sie das ihrer Fangemeinde an. Ein paar Urlaubsfotos gabs dann aber trotzdem: Tanja mit Mama am Strand von Protaras, Zypern. Tanja auf der Luftmatratze und Tanjas Rücken voller Sonnencreme mit aufgemaltem Herz. «Ich instruiere meine Mama über meine Ideen und sie macht die besten Fotos für Instagram», sagt der Star lachend.

Videos produziert Tanja La Croix zu einem Grossteil zu Hause in Wallisellen. In einer Ecke ihres Wohnzimmers hat sie ihr DJ-Pult stehen. Dazu einen Selfiestick samt eingebautem Stativ – und schon kanns losgehen mit der Filmerei. Wobei sie nicht nur ihr Smartphone nutzt, sondern auch eine Sony-Spiegelreflex-Kamera sowie eine kleine Go-Pro. Am Laptop schneidet sie die Clips anschliessend, ehe sie sie auf Facebook oder Youtube hochlädt. Das Equipement hat sie stets auch auf ihren Trips dabei.

«Nur mit dem iPhone filmen und foto­grafieren reicht mir bei meinem hohen Qualitätsanspruch nicht», begründet sie diesen Aufwand. «Das wichtigste bei Selfies», so habe sie es zumindest gelernt, «ist das Licht». Da sie ein sehr visueller Mensch sei, achte sie deshalb immer darauf, dass Fotos von ihr unter idealen Lichtverhält­nissen entstehen. «Das habe ich natürlich auch aus meiner Modelkarriere übernommen», sagt sie lachend. Gibt es Grenzen bei dem, was Tanja La Croix zeigt? «Klar, ich würde beispielsweise alles, was mit Krankheiten und Spitalbesuchen oder allzu privaten Dingen in Bezug auf meine Familie zu tun hat, niemals posten.»

Und bei was erhält eine international erfolgreiche DJ die meiste Resonanz auf den sozialen Medien? «Auf Bilder in der Natur, beim Wandern und natürlich auf Reisen.» Hinterm DJ-Pult wollen sie die Fans dann wohl doch lieber live sehen – und hören.