Von Claudia Mascherin

Ob Wetter- oder Spielbericht: Text-Bots spucken Kurznachrichten in Sekundenbruchteilen aus. Der Leser erkennt kaum einen Unterschied zu Meldungen von Redaktoren. Ins Feuilleton schafft es die künstliche Intelligenz aber noch nicht.

Er kommt nie zu spät, muckt nicht auf, stellt keine Forderungen und ist erst noch der Schnellste im Team. Ein Roboterjournalist ist ein äusserst vorbildlicher Mitarbeiter. Entsprechend hält er vermehrt Einzug in Nachrichtenagenturen und Onlineredaktionen.

Wer jetzt an einen Blechmann denkt, der am Schreibtisch sitzt und seine Kollegen mit: «Einen.Guten.Morgen.» begrüsst, liegt natürlich falsch. Ein Roboterjournalist ist nichts anderes als eine Software, die aus vorhandenen Daten Texte generiert. Wetterberichte gehören dabei zu den leichtesten Aufgaben. Das Repertoire der Text-Roboter geht inzwischen jedoch über das Abfüllen von Lückentexten hinaus. «Jeder Text kann anders sein, und die Software kann einen persönlichen Schreibstil entwickeln», sagt Philipp Renger, Marketing- und PR-Manager bei AX Semantics. Die Firma mit Sitz in Stuttgart gehört zu den Anbietern von solchen Text-Robotern.

Diese schreiben Polizeimeldungen, Promi- News oder Fussball­berichte. Allerdings kann jeder Roboter nur so viel, wie der Mensch ihm beigebracht hat. Ein Journalist füttert ihn mit einem Urtext und zeigt ihm Muster, Variablen und Zusammenhänge auf: austauschbare Ad­jektive, Verben, Formulierungen. Je mehr man ihm beibringt, umso selbständiger kann er auch stilistisch wertvolle Texte schreiben. Die Frage ist immer, ob sich der Trainings­aufwand lohnt. Denn es gibt Grenzen: Ein Roboterjournalist kann nur lernen, was standardisierbar ist. Rennt beispielsweise ein Flitzer übers Fussballfeld, muss dies von Hand nachgetragen werden. Und ein Roboter kann nicht abwägen und erklären. Oder eine Pointe einfügen. Renger: «Einen Hintergrundartikel über die politischen Geschehnisse im Land kann der Text-Roboter nicht liefern. Die Ergebnisse am Wahlsonntag liefert er dafür in Rekord­geschwindigkeit.»

Und wie siehts mit der Fehlerquote aus? Auch hier hängt der Roboter von der Hand ab, die ihn füttert. Die Qualität der Daten ist entscheidend. «Wo Müll reinkommt, geht auch Müll raus.» Wenn das Zusammenspiel von Redaktor und Roboter aber stimmt, geht die Maschine als Mensch durch. Als staubtrockener Mensch.